Können Videospiele die Demokratie stärken? Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) meint: zumindest können sie einen Anfang machen. Vom 26. bis 30. August 2026 hat sie auf der Gamescom in Köln unter dem Motto „Democracy at Play“ Indie-Games gezeigt, die sich mit Politik, Geschichte und demokratischen Werten beschäftigen. Auch der Bundespräsident war da: Frank-Walter Steinmeier hat als erstes deutsches Staatsoberhaupt die Gamescom besucht und den Gamescom Congress eröffnet.
Warum gerade Spiele?
Ein Buch erklärt dir Geschichte, eine Doku zeigt sie dir. In einem Spiel musst du selbst handeln. Du sammelst Hinweise, triffst Entscheidungen, schlüpfst in andere Rollen und spürst die Folgen. So wird aus abstraktem Wissen ein Erlebnis. Das macht ein Spiel aber nicht automatisch besser oder objektiver als andere Medien. Ein gutes Serious Game, also ein Spiel mit Bildungsanspruch, muss sauber recherchiert sein, verschiedene Sichtweisen zeigen und offen damit umgehen, wo es vereinfacht.
Sechs Spiele, ein bpb-eigenes Projekt
Am Stand konntest du sechs Spiele ausprobieren. Fünf davon sind unabhängige Indie-Titel, die die bpb weder beauftragt noch finanziert hat. Thematisch reichen sie von Demokratie in der Krise über Medienkompetenz bis zur Städtebau-Simulation. Das sechste Spiel ist eine Premiere: „SOKO 1977: Anti-Terror Task Force“, das erste digitale Spiel, das die bpb selbst in Auftrag gegeben und komplett finanziert hat.
Darin leitest du eine Polizei-Sonderkommission in der Bundesrepublik der 1970er-Jahre, einer Zeit voller gesellschaftlicher Spannungen und linksterroristischer Anschläge. Die RAF wird nicht namentlich genannt. Das Spiel arbeitet mit fiktiven, aber historisch plausiblen Fällen. Du jagst Terrorzellen, während Politik, Medien und Öffentlichkeit Druck machen. Dabei stellt dich das Spiel immer wieder vor die Frage, wie weit ein Staat gehen darf, um sich zu schützen. Auf der Gamescom war eine frühe Version erstmals spielbar. Erscheinen soll das Spiel Anfang 2027 für PC und Mac.
Vom selben Studio: ein preisgekröntes Vorbild
Entwickelt wird SOKO 1977 von Paintbucket Games aus Berlin. Das Studio hat schon gezeigt, wie gut das funktionieren kann. Sein Detektivspiel „The Darkest Files“ (2025) macht dich zur jungen Staatsanwältin Esther Katz, die 1956 NS-Verbrecher vor Gericht bringen will. Beim Deutschen Computerspielpreis 2026 wurde es als „Bestes Deutsches Spiel“ und als „Bestes Serious Game“ ausgezeichnet. Ein bpb-Spiel ist es übrigens nicht, sondern ein eigenständiges Projekt des Studios.
Ein Spiel allein rettet keine Demokratie
Damit solche Ansätze nicht vereinzelt bleiben, gibt es die Initiative Gaming for Democracy (G4D). Die Stiftung Digitale Spielekultur hat sie gemeinsam mit Partnern wie der Bertelsmann Stiftung und der bpb gestartet. Bis 2029, dem Jahr der nächsten Bundestagswahl, soll ein Bündnis entstehen, das Demokratie in Gaming-Communitys stärkt, Wissen bündelt und gemeinsame Aktionen anstößt.
Ein Ausblick
Ob Games die Demokratie wirklich stärken, lässt sich nicht pauschal sagen. Aber sie erreichen Menschen, die mit klassischer politischer Bildung kaum in Kontakt kommen. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung spielen 86 Prozent der 16- bis 34-Jährigen digitale Spiele. Entscheidend bleibt die Qualität: gute Recherche, ausgewogene Perspektiven und der Mut, Widersprüche nicht wegzuvereinfachen. Wenn ein Spiel das schafft, lernst du beim Zocken vielleicht mehr, als du denkst.
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